.: Dem Rotbach seine Route :.     
Wasserstreit und Wasserrecht <<   X   >> 

Wasserstreit und Wasserrecht

Nun, wo sich der Rotbach dem Stadtzentrum nähert, kann der Wanderer oder Radler ihn nicht mehr direkt begleiten. Er fließt vielfach an Privatgrundstücken entlang, oder unter Straßen durch und wer ihn sehen will muss danach suchen. Der Interessierte kann dabei aber lauschige Plätze oder die Reste der ehemaligen Stadtmauer entdecken. Der Rotbach ist zwar in der Stadt allgegenwärtig hat für diese aber wenig Bedeutung.

Stadtmauer

Dabei war der Rotbach einmal die wichtigste Lebensader Dinslakens, die "Rothe Bache" oder "die Beeck" genannt. Er durchfloss einst mit einigen kleinen Nebenarmen von Ost nach West die Stadt.
Ausgangspunkt der historischen Entwicklung Dinslakens wird eine Motte gewesen sein, ein Wohnhügel mit Graben und Schutzwall, an der Stelle der heutigen Burg. Der Name Dinslaken erklärt sich aus den bis in die 1950er Jahre im Stadtgebiet vorhandenen Tümpeln, Laken. Im 12. Jahrhundert wurde Dinslaken in einem Grund- und Zinsbuch des Klosters Werden als "Lake juxta instincfeld" (Lake bei Hiesfeld) erstmals urkundlich erwähnt.
Früher war das Gebiet der heutigen Stadt Dinslaken ein ganz dünn besiedeltes Land. Die Bewohner waren hauptsächlich Bauern. Das Land selbst wies damals viele Moore und Sümpfe (Bruchland) auf. Zwischen dem Averbruch im Süden und dem Dinslakener Bruch im Norden errichteten die Dinslakener im 12. Jahundert (1190) eine Burg, das Castell.
Aufgang zum Burginnenhof
Das Sumpfgelände und die verschiedene Arme des Rotbachs, welche die Stadt durchflossen und die Stadtgräben mit Wasser füllten, boten zusammen mit festen Mauern und Toren Sicherheit für alle, die hier wohnten. So entwickelte sich die kleine ärmliche Siedlung zu einem beachtlichen städtischen Gemeinwesen.
Unverzichtbar war sein Wasser auch für die Viehtränken, die Gewerbetreibenden und für die Mühle auf dem Altmarkt. Mühlrad und Mühle waren noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten. Bis Napoleon 1811 den Mühlenbann aufhob, war es jedem Bürger bei Strafe verboten, sein Getreide anderorts malen zu lassen als in den Mühlen seiner Umgebung. Erst in der napoleonischen Zeit (Franzosenzeit), 1811, und den anschließenden preußischen Reformen wurde das Mühlenrecht weitgehend liberalisiert und der Mahlzwang aufgehoben. In der Folgezeit entstanden am Niederrhein viele neue Mühlen, meist Windmühlen. Trotz Aufhebung des Mühlenbanns musste sich der Dinslakener Müller an die Ortssatzung halten, die verlangte, dass bei Hochwasser die Schützenbretter so niedrig eingesetzt werden mussten, dass keine Überschwemmung entstehen konnte. Das gab immer Ärger mit der Behörde, vor allem wenn durch Unachtsamkeit der Mühlenknechte über Nacht die Stadt unter Wasser stand. Und das soll wiederholt vorgekommen sein. Andererseits soll es in trockenen Zeiten vorgekommen sein, dass ein Nachbar dem anderen für seine Bedürfnisse das Wasser abgegraben hat.
Auf dem Altmarkt hatte die Stadtwaage ebenso ihren Platz wie die an einem Gebäude zur Kontrolle angebrachten Norm-Maße. Ferner standen auf dem Marktplatz noch die Gerichtslinde, der "Kak", ein unübersehbarer Pranger, sowie ein Zollhäuschen. Seit der Verleihung der Marktrechte im Jahre 1478 finden hier Markttage statt. Übrigens, der Dienstag ist seit dem Mittelalter Markttag geblieben.
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts stand auf dem Altmarkt auch die Gießerhütte der später nach Gescher verzogenen und dort noch heute tätigen Glockengießer.
Der Nordausgang der Pfarrkirche bildete mit dem Eingang zur Traditionsgaststätte Holtbrügge und dem Eingang zur ehemaligen Stadtschänke ein "magisches Dreieck" mit nahezu programmierten Wegen. Im Zentrum des Dreiecks befand sich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal.
Kirche St. Vincens

Seit der Stadtgründung 1273 hat es an der Stelle der heutigen St. Vincentius Kirche eine Kapelle gegeben, wo sich auch der Friedhof befand. Pfarrkirche für die Dinslakener war jedoch 163 Jahre lang die Pfarre St. Cyriakus in Hiesfeld, die seit der Reformation der evang. Kirchengemeinde Hiesfeld gehört. Erst 1436 wird das Dinslakener Stadtgebiet zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Zwischen 1420 und 1450 wurde eine geräumige Hallenkirche in der üblichen Ost-West-Achse erbaut und dem Heiligen Vincentius von Saragossa gewidmet. Im Westen war der Kirche ein Turm vorgestellt, Die Turmhaube wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals ihre Gestalt: um 1600 hatte sie die Form einer Pyramide, zwischen 1817 und 1819 bekam der Turm eine hölzerne Spitze, 1924 eine barocke Zwiebelform.


Kreuzigungsgruppe
An der Nordseite des Kirchturms der kath. Kirche St. Vincentius befindet sich die Kreuzigungsgruppe von 1501 aus Sandstein. Aus einem Felsen mit Schädel und Gebein wächst das Kreuz mit dem Korpus Christi. Daneben stehen die T-förmigen Kreuze mit den beiden Schächern. Die Kreuzigungsgruppe, die zu den bedeutensten ihrer Art zählt, hat ihre eigene Geschichte. Sie stand ursprünglich vor dem Walsumer Tor, wo sich heute nahe des Evangelischen Krankenhauses ein Kreisverkehr befindet. Mehrfach mussten die Skulpturen restauriert werden. Zum Schutz vor weiterem Verfall wurde die Gruppe nach ihrer Restaurierung im Jahre 1985 am Turm der Kirche aufgestellt und mit einer schützenden Überdachung versehen. Am historischen Standort wurden Kopien der Originalgruppe errichtet.
All diese geschichtlichen Daten und Orte bringt einem der Nachtwächter näher, den man in den Wintermonaten auf seiner Runde begleiten kann.
Rittertor
An der Kreuzstraße, in der Nähe von Burg, Rittertor und Eppinghovener Straße verlässt der Rotbach die Innenstadt um dann wieder völlig offen, begleitet von einem Uferweg, Eppinghoven entgegen zu fließen. Der Rotbach unterquert die Bundesstraße 8, mit ihrem hohen Verkehrsaufkommen. Lange Zeit wurde der Weg mittels einer eleganten, geschwungenen Holzbrücke darüber geführt. Diese entsprach durch Verwitterung nicht mehr den sicherheitlichen Anforderungen, konnte nicht mehr repariert werden und wurde abgerissen. Für eine neue Brücke fehlt der Stadt das Geld. Eine Weiterführung des Uferweges mit Ampelquerung konnte dank Abtretung von Privatgrund realisiert werden. Dadurch kann mann wieder einen Blick auf die im Frühjahr wunderschön blühenden Kirschbäume der Anliegerstraßen werfen.
Rittertor



Jenseits der Bundesstraße gibt es wieder einen Uferbegleitweg der den Benutzer zusammen mit dem Rotbach nach Eppinghoven führt.

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