.: Dem Rotbach seine Route :.     
Über Tage, unter Tage <<   X   >> 

Über Tage, unter Tage

Am Ende des Hiesfelder Waldes, nachdem er seinen Bruder den Schwarzbach an der Pro-vinzgrenze aufgenommen hat, wendet der Rotbach sich plötzlich nach Westen. Die anstei-genden Höhen der Schlägerhardt und Oberlohberges versperren ihm den weiteren nördli-chen Weg. Diese Richtungsänderung bringt ihn auch wieder näher an die Zivilisation heran.
In einer alten Abhandlung schildert ein Mitglied der dort in der Sträterei ansässigen Familie Overländer, von dem dort beginnenden "lieblichen Rotbachtal". Doch das war einmal, denn von der Provinzgrenze an ist der Rotbach in den dreißiger Jahren begradigt worden und hat damit die von Overländer gepriesene Anmut verloren. Die Überschwemmungen des Rotbaches störten die Nutzung der Wiesen und Weiden. Nach vielen Beschwerden der Hiesfelder Bauern wurde der Bach nach 1932 begradigt und ausgebaut. Die ehemals natürliche Bachlänge bis Haus Hiesfeld wurde, von 7,5 km, auf 5 km verkürzt.
Nutzflächen
Nachdem nun eine Zeit Ruhe herrschte kommt neues Ungemach auf die dort ansässigen Bauern zu. Der untertägige Steinkohleabbau des Bergwerkes Lohberg/Osterfeld hat zu Bodenabsenkungen im Bereich zwischen Franzosenstraße und Autobahnquerung geführt. Auch in Zukunft werden dort Bergsenkungen zu weiteren Veränderungen an der Erdoberfläche führen. Der für die Vorflut zuständige Lippeverband, plante und ergriff Gegenmaßnahmen, ohne die sich der gesamte Bereich in einen See hätte umwandeln können. Zuerst wurden die Ufer erhöht und Sickerwässer zurückgepumpt, es wurden Grundstücke erworben und Höfe abgerissen. Desweiteren wurde ein weiträumiger Deich erstellt, der eine zu weite Verlagerung des Rotbaches von seinem ursprünglichen Bett verhindern soll. Die vorhandene gradlinige Trassenführung wurde in weiten Abschnitten aufgehoben und durch einen naturnahen Ausbau mit geschwungener und asymmetrischer Linienführung zu ersetzt. Dem Gewässer wird Raum für eine eigendynamische Entwicklung zur Verfügung gestellt. Naturnahe Bepflanzung und Freiräume für Verwilderung wurden unterstützend eingebracht.
Renaturierung
Bis der Rotbach allerdings ein natürliches Gesicht wiedererlangt und die Vorflut endgültig reguliert wird, werden dennoch Jahre vergehen. Und die Naturschützer stellen sich das "natürlich" ganz anders vor.
Der Rotbach Uferweg gleicht an sonnigen Wochenendtagen eher einer Rennbahn. Jung und Alt, Groß und Klein, Fußgänger und Radfahrer nutzen den Weg in beide Richtungen. Die Frühaufsteher begegnen auf ihrem Rückweg den Langschläfern. Das Gewimmel wäre noch relativ unproblematisch, wenn sich Herr und "Hund an der Leine" auf dieselbe Wegseite einigen könnten. Oder Großmutter mit ihrem Rollator nicht unbedingt an der engsten Stelle die schönen Pferde auf der Koppel des Reiterhofes bewundern müsste. Den größten Teil des Jahres 2012 war der Weg wegen der obengenannten Umgestaltungsmaßnahmen gesperrt.

Rennbahn

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass dieses Projekt noch zu meinen Lebzeiten realisiert werden könnte, denn die Mühlen von Stadt und Lippeverband mahlen bekanntlich langsam. Allerdings wurde ich von der Fertigstellung angenehm überrascht und das Ergebnis ist vielversprechend. Es gibt Anlass zu hoffen dass die Natur sich diesen Teil des Rotbaches zurück erobert.

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